China, das unverstandene Land

Kaum ein Land wird derzeit kontroverser diskutiert als China. Auf der einen Seite ein wunderschönes Reiseland mit einer der vielseitigsten Kulturen überhaupt. Auf der anderen Seite der drohende Wirtschaftsriese mit Weltherrschaftsalüren.

1,3 Milliarden Menschen, die sich auf eine Jahrtausendealte und immer noch lebendige Kultur stützen können. China ist die erste Weltmacht, die dazu ansetzt bereits zum zweiten Mal eine Blüte zu erleben.

Ganz selbstverständlich, wenn man einen Chinesen fragt. Denn China war schon immer der Mittelpunkt der Welt. „Reich der Mitte“ ist ein Übersetzungsfehler, richtig heißt es „Reich in der Mitte der Welt“ und so versteht sich das Land auch.

Klar hat man intern ein paar kleine Probleme. Der Mensch als Individuum zählt noch nicht so viel wie er unserer Meinung nach sollte. Auch die Umwelt wird in einem derart rasanten Tempo zerstört, dass es sogar die USA mit der Angst zu tun bekommen und das will etwas heißen.

Aber diese Probleme wird man schon lösen, selbstverständlich ohne Hilfe von Außen. Die „Langnasen“ verstehen weder das Problem noch sind sie in der Lage eine Lösung zu liefern.

Möglicherweise können wir das wirklich nicht, denn die chinesische Kultur baut auf einer Kultur auf, die mit unseren Wertvorstellungen teilweise inkompatibel ist. Der missionarische Eifer der Kirchen und mittlerweile die Regenbogenpresse haben dann ihr Übriges getan, um das Land endgültig in Misskredit zu bringen.

Schon die grundlegende Denkweise der Chinesen ist anders als unsere. Währen wir im „entweder oder“ denken, zieht der Chinese das „Sowohl als auch“ vor. Völlig widersprüchliche Aussagen können problemlos koexistieren, was sich auch in der Politik zeigt. Chinas Kommunismus ist kapitalistischer als unser Kapitalismus. Dennoch kein Widerspruch für einen Chinesen.

Zudem ist die Denkweise dort viel ganzheitlicher als wir es gewohnt sind. Während unsere Wissenschaft alles in immer noch kleinere Teilbereiche zerlegt, sieht sich der Chinese den Gesamtzusammenhang an. Vermutlich der Hauptgrund warum Techniken wie die chinesische Medizin, die chinesische Astrologie oder das Feng Shui hierzulande immer noch selten korrekt zu finden sind.

Steigt man tiefer in die Kultur und die Mythologie Chinas ein, verschärft sich das Problem noch. Gottheiten und mythologische Gestalten der verschiedensten Religionen können problemlos nebeneinander existieren.

Für das eine Problem ist der passende Gott des Buddhismus vielleicht kompetenter, für das andere Problem spricht man mit einem des Daoismus. Kein Problem, mit der passenden Denkweise. Um das zu verstehen, muss man sich allerdings mit dem Land beschäftigen, vermutlich der Hauptgrund warum es bei uns oft missverstanden wird. Die Lösung des Problems ist aber ganz einfach: Hinfahren und mit eigenen Augen ansehen.

Gerhard Zirkel

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